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Hab den Film gestern endlich sehen können, nachdem wir 2 Mal umsonst in die Stadt gefahren waren.
In einem muss ich mich euch beiden schon mal anschließen: der Film war wahrhaft grandios, und ich bin nun gewillt, ein wenig mehr zu schreiben. Zunächst möchte ich hier mal die Technik erwähnen, die ja im Vorfeld ausgiebig angepriesen wurde. Und tatsächlich konnte man die hohen Erwartungen auch erfüllen. Die Umgebungen sahen wirklich wie echt aus und man konnte sich kaum an ihnen satt sehen. Auch der 3D-Effekt wurde stellenweise brilliant eingesetzt, so z.B. während des Ascheregens oder des finalen Kampfes. Aber auch, wenn man den technischen Aspekt außer acht lässt, wurde hier eine wirklich wunderschöne Welt geschaffen. Einziges Manko: die Fauna war für einen Planeten, auf dem wohl ähnliche Bedingungen wie in einem tropischen Regenwald herrschen, viel zu überschaubar. Ohne die Ureinwohner komme ich auf 6 oder 7 Tierarten...hier wäre durchaus mehr drin gewesen. Ein ab und an durchs Bild huschender Vogel oder ein Nagetier hätten dem ganzen gut getan und die Welt wesentlich lebendiger wirken lassen, ebenso haben Insekten und Spinnen völlig gefehlt. Letztlich fällt das aber kaum ins Gewicht, da man sowieso viel zu beschäftigt damit ist, die Flora zu betrachten.
Endlich hatte man hier mal wieder einen Film mit sympathischen Charakteren. Abgesehen von Jake konnte ich mir leider keinen der Namen merken, dafür müsste ich sie noch mal irgendwo lesen, allerdings konnte ich zu allen handlungstragenden "guten" Sympathie aufbauen. Gleichzeitig entwickelte man ein gesundes Maß an Antipathie gegenüber den Bösewichten des Films. Die Charakterentwicklung war von Anfang bis Ende nachvollziehbar und es war durchaus spannend, sie zu betrachten.
Die Story sowie ihr Aufbau haben mir ebenfalls sehr gut gefallen. Eine technisch krankhaft weit entwickelte Menschheit, die nach wie vor völlig korrupt ist und, typisch für korrupte Menschen, allem, was ihnen im Weg ist, das Recht zu leben aberkennt. Ein Held, der zwischen beiden Fronten steht, schließlich eine Katastrophe. Genau so baut man einen Film auf. Nach der ersten halben Stunde war klar, wer wer ist und wer was macht, danach hat man den Film nahezu ausschließlich aus der Sicht von Jake gesehen und konnte so eine starke Verbindung zu ihm knüpfen, sodass man schließlich während des Höhepunktes auch wirklich mitgefühlt hat. Ich saß tatsächlich im Kino und dachte, z.B. als die Menschen den großen Baum angegriffen haben: "Oh nein, bitte nicht." Dass ein Film die Zuschauer so mitreißt, ist leider nicht an der Tagesordnung.
Trotz aller Lorbeeren muss der Film sich nun aber auch etwas herbere Kritik von mir gefallen lassen, denn perfekt ist er keinesfalls. Denn das Ende ließ mich mit gemischten Gefühlen im Kinosessel zurück. Zum einen war ich froh darüber, dass die meisten der Figuren, die ich eben während des Guckens doch liebgewonnen hatte, noch lebten. Gleichzeitig dachte ich mir aber: eigentlich ist das, was da grade abgegangen ist, völliger Bullshit. Zunächst einmal: welcher General ist so doof und führt seine Truppen in das einzige Gebiet, in dem der Gegner einen strategischen Vorteil hat, zumal er selbst das Gebiet gar nicht kennt. Die Menschen hatten Massen an Granaten, Sprengstoff und diversen anderen Waffen, Kampfroboter und dies und das. Hätten sie sich einfach in der Basis verschanzt und gewartet, bis die Ureinwohner angerannt kommen, hätten sie mit Leichtigkeit gewonnen. Die Flugsaurier hätte man auch kleingekriegt. Und was soll dieser ganze "Die Natur hat jetzt plötzlich doch genug und wehrt sich einfach mal" Kram? Klar, ich war auch froh, als es für die Menschen auf einmal kritisch wurde, aber letzten Endes zerstört Cameron sich hier seine ganze Botschaft. Grade weil die Sympathien komplett auf Seite der Ureinwohner lagen, und sämtliche Antipathien des Zuschauers auf die Menschen gerichtet waren, hätte man bei einem Sieg der Menschen gedacht "Oh mein Gott, wie grausam wir doch sind. So etwas darf einfach nicht weiter passieren!" (sofern man denn darauf kommt, dass man die Geschehnisse des Films mit der Realität in Verbindung setzen soll). So denkt man sich eher "Nun, wir sind zwar Arschlöcher, aber wenn wir so weitermachen wie bisher, dann bekommen wir dafür schon irgendwann die Quittung und alles geht für die Natur gut aus, also können wir ruhig so weitermachen." Ohne Frage ist James Camerons "Avatar" ein kleines Meisterwerk und ein wirklich wundervoller Film, ich werde mich jedoch hüten, es als "besten Film aller Zeiten" oder sonst etwas zu bezeichnen. Vielleicht würde ich mich überreden lassen, wenn das Ende einfach etwas realistischer gewesen wäre und die Menschen gewonnen hätten. Auch gut hätte es mir gefallen, wenn der brennende Baum das Ende gewesen wäre, denn so hätten die Menschen gewonnen, die Ureinwohner aber größtenteils verschont, und jeder hätte sich noch seine eigenen Gedanken machen können.
So, da hier hier von einem Sequel, sogar von einer Trilogie gesprochen habt, und das wohl mit hoffendem Unterton, möchte ich mich auch mal dazu äußern. Auch ich hoffe in dieser Angelegenheit...ich hoffe, dass jeglicher Gedanke an einen 2. Teil augenblicklich grausam vergewaltigt, gemeuchelt, gegessen, wiedergekäut, vergraben, ausgebuddelt, verbrannt, wieder vergraben und von einem Dutzend katholischer Priester auf ewig in die Tiefen der Hölle verbannt wird. Avatar ist ein in sich geschlossener Film, aus dem das, was ihn so toll macht, alles rausgeholt wurde. Was würde ein 2. Teil bringen? Man kann nichts großartiges neues mehr über die Ureinwohner lernen, eine marginal erweiterte Flora oder Fauna wäre auch kein Grund für ein Sequel, die Charakterentwicklung würde schwächer aus-, wenn nicht gar ganz wegfallen. Ich habe den 2. Teil genau vor Augen: die Menschen kommen, besser als je zuvor ausgerüstet, wieder, im Schlepptau ein oder 2 Charaktere, die an sich kaum Charakter haben, und nur dazu da sind, nachher die Menschen zu verraten und einfach das gute im Menschen symbolisieren sollen, und dazu noch billige Abklatsche vom vorherigen General und dem kleinen Geschäftsmann, der den ganzen Abbau dort geleitet hat. Jake ist dann ein ganz cooler Held, holt sich den Drachen wieder (der mich in der letzten Einstellung übrigens stark an einen X-Wing aus Star Wars erinnert hat, wegen der Flügel^^), und irgendwann werden die Menschen zurückgeschlagen. Im Stamm werden noch 1 oder 2 weitere Typen in irgendeine Rolle gesteckt, weil man einfach neue Charaktere braucht, obwohl sie im 1. Teil nur Statisten, und in dieser Rolle auch sehr gut aufgehoben, waren. Von einem möglichen 3. Teil möchte ich gar nicht erst fantasieren, es würde aber alles in allem so ablaufen wie bei Shrek.
Nein, nein, nein. Avatar ist ein toller Film, aber wie so vielen guten Filmen würde ihm eine Fortsetzung nicht gut tun. Es gibt nicht mehr zu erzählen, was nach der Verbrennung des Baums kam hätte man eigentlich auch weglassen können (wenngleich es, bis auf die Tatsache, dass am Ende die Welt wieder ganz toll und rosig wurde, nicht schlecht war), abgesehen von den ganzen Fanboys und Fangirls (und dieser Begriff ist bei mir ziemlich negativ behaftet) würden wahrscheinlich alle erkennen, dass das Sequel Bullshit wäre. Ist nicht so, dass ich mich nicht gern vom Gegenteil überzeugen lassen würde, aber totale Perfektion wie beim Herrn der Ringe wird eben in aller Regel nicht erreicht.
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